Rebellion an der Kaffeetheke

Es ist einer dieser Läden, der zum Wiederhinausgehen einlädt. Eine Bäckerei mit glatten Stühlen, glatten Tischen und riesigen Fenstern, die davon erzählen, dass Wände altmodisch sind. Hier bestellt man Café au Lait immer „to go“ und lässt sich das Sandwich einpacken, um es draußen an der Ampel zu essen, mit kalten Fingern. An diesem Ort also die rebellische Botschaft: „Paul + Momo“. Die Buchstaben sind in die helle Holztheke geritzt, als handele es sich um eine regenraue Eiche im Wald. Ein bisschen krumm sind sie, ungelenk, und sehr ehrlich inmitten der polierten Oberfläche dieses glatten Raums.

Da müssen sie gesessen haben, Paul und Momo, auf weißen Schemeln in weißem Licht. Und Paul dachte sich, er könne an diesem Ort, der nicht zum Bleiben gedacht ist, von seiner Liebe erzählen mit einer bleibenden Botschaft. Vielleicht hat Momo ihn angelächelt, weil er nicht die Klotür gewählt hat, mit ihrer sexuellen Attitüde und nicht den uralten Baum, denn das wäre kitschig gewesen. Eine Bäckerei ist nichtssagend und darum besonders. Jeder persönliche Eindruck gewinnt hier an Bedeutung.

Hinter ihnen fragte die Verkäuferin „War das alles?“

Ja, das war alles. Paul + Momo.

Ort: Berlin, Friedrichstraße

Rettendes Hui!

Nachmittags in der U-Bahn. Die Luft hat sich klaustrophobisch aus dem Abteil zurück gezogen. Ich klammere an der speckigen Haltestange und schaue immer wieder zu dieser einen Frau, ganz hinten im Wagen. Wenn Traurigkeit ein Geruch wäre, würde er in aufdringlichen Wolken zu mir herüber wehen, in den Haaren kleben bleiben, auf den Augenlidern. Bemerkt denn niemand diesen schweren Duft? Stört das niemanden?

Die Bahn hält an und ich wünschte, jetzt würde eine dieser nervtötenden Musikkapellen einsteigen, mit ihrer guten Laune, die man sich leihen kann, für eine Station und 50 Cent.

Nachts in der S-Bahn, die wie ein fast leerer Flur um die Stadt fährt. Jemand sitzt mir gegenüber, eine Indie-Band singt in meinen Kopfhörern und ich habe die traurige Frau schon vergessen. Da rollt ein Skateboard durch das Abteil, ein Jugendlicher sitzt darauf, die Beine bis zum Kinn hochgezogen. „Huuuuuuuuui!!!!!“, saust er vorbei. Ich lache, der Mann gegenüber lacht, der Mann hinten in der Ecke lacht. Ich denke an die traurige Frau. Und nehme mir vor, ab sofort immer ein Skateboard dabei zu haben, wenn ich Bahn fahre.

Ort: Berlin, Nahverkehr