Rettendes Hui!

Nachmittags in der U-Bahn. Die Luft hat sich klaustrophobisch aus dem Abteil zurück gezogen. Ich klammere an der speckigen Haltestange und schaue immer wieder zu dieser einen Frau, ganz hinten im Wagen. Wenn Traurigkeit ein Geruch wäre, würde er in aufdringlichen Wolken zu mir herüber wehen, in den Haaren kleben bleiben, auf den Augenlidern. Bemerkt denn niemand diesen schweren Duft? Stört das niemanden?

Die Bahn hält an und ich wünschte, jetzt würde eine dieser nervtötenden Musikkapellen einsteigen, mit ihrer guten Laune, die man sich leihen kann, für eine Station und 50 Cent.

Nachts in der S-Bahn, die wie ein fast leerer Flur um die Stadt fährt. Jemand sitzt mir gegenüber, eine Indie-Band singt in meinen Kopfhörern und ich habe die traurige Frau schon vergessen. Da rollt ein Skateboard durch das Abteil, ein Jugendlicher sitzt darauf, die Beine bis zum Kinn hochgezogen. „Huuuuuuuuui!!!!!“, saust er vorbei. Ich lache, der Mann gegenüber lacht, der Mann hinten in der Ecke lacht. Ich denke an die traurige Frau. Und nehme mir vor, ab sofort immer ein Skateboard dabei zu haben, wenn ich Bahn fahre.

Ort: Berlin, Nahverkehr