Rebellion an der Kaffeetheke

Es ist einer dieser Läden, der zum Wiederhinausgehen einlädt. Eine Bäckerei mit glatten Stühlen, glatten Tischen und riesigen Fenstern, die davon erzählen, dass Wände altmodisch sind. Hier bestellt man Café au Lait immer „to go“ und lässt sich das Sandwich einpacken, um es draußen an der Ampel zu essen, mit kalten Fingern. An diesem Ort also die rebellische Botschaft: „Paul + Momo“. Die Buchstaben sind in die helle Holztheke geritzt, als handele es sich um eine regenraue Eiche im Wald. Ein bisschen krumm sind sie, ungelenk, und sehr ehrlich inmitten der polierten Oberfläche dieses glatten Raums.

Da müssen sie gesessen haben, Paul und Momo, auf weißen Schemeln in weißem Licht. Und Paul dachte sich, er könne an diesem Ort, der nicht zum Bleiben gedacht ist, von seiner Liebe erzählen mit einer bleibenden Botschaft. Vielleicht hat Momo ihn angelächelt, weil er nicht die Klotür gewählt hat, mit ihrer sexuellen Attitüde und nicht den uralten Baum, denn das wäre kitschig gewesen. Eine Bäckerei ist nichtssagend und darum besonders. Jeder persönliche Eindruck gewinnt hier an Bedeutung.

Hinter ihnen fragte die Verkäuferin „War das alles?“

Ja, das war alles. Paul + Momo.

Ort: Berlin, Friedrichstraße